Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch die Eurobike Show Daily, Messezeitschrift der jährlich stattfindenden Eurobike Show, gibt uns seit vielen Jahren die Möglichkeit, unsere Sicht auf wichtige Entwicklungen in der Fahrradbranche in ganzseitigen Artikeln auszuführen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

Eurobike Show Daily 2018 - Tag 1

Lust an der Last

In einigen großen Städten sind Lastenräder inzwischen fester Bestandteil des Straßenbildes. Was sind die Perspektiven dieser Radart und welche Herausforderungen stellen die Lastenräder an die Konstruktion?

Ob es einem gefällt oder nicht, der Umbruch im Nutzungsverhalten von Fahrrädern kommt durch den Elektromotor. Deutlich zeigt sich dies auch an den Lastenrädern, die als Mamataxi, als Einkaufsfahrzeug und gelegentlich als Betriebsfahrzeug zum Transport von Werkzeug oder Waren eingesetzt werden. Erste Logistikunternehmen erproben Konzepte, bei denen in belebte Viertel einer Stadt zur Nachtzeit Container abgestellt werden. Von diesem Standort aus werden die Pakete dann mit Lastenrädern zur Lieferadresse befördert.

Die Vorteile professionellen Lastentransports liegen auf der Hand. Zu Zeiten des nahezu dominanten Internethandels werden Waren und auch Lebensmittel individuell verschickt. Das Packvolumen ist in Summe allerdings deutlich angewachsen. Es sind riesige Mengen. Daher sind die meisten heute zu Kunden transportierten Pakete typischerweise weder groß noch schwer. Was zählt ist Geschwindigkeit und gerade da tun sich klassische Auslieferungsfahrzeuge zunehmend schwer. Zum einen staut sich der Verkehr als solches schon in den Städten und verzögert die Auslieferung und zum anderen lässt die Parksituation in Städten legales und schnelles Ausliefern mit Transportern wie beispielsweise Fiat Ducato, Mercedes Sprinter oder VW Crafter kaum noch zu. Geparkt wird oft in zweiter Reihe – Behinderung und Unmut weiterer Verkehrsteilnehmer sind die Konsequenz. Lastenräder bis 25 km/h gelten als Fahrräder und können daher Radwege nutzen und dürfen auch auf Gehwegen abgestellt werden. Ein unschlagbarer Vorteil auf den letzten Kilometern einer Lieferkette.

Der Markt

Momentan engagieren sich sehr viele meist kleine oder sogar sehr kleine Hersteller am Markt. Hoher Einsatz und große Kreativität führen zu mannigfaltigen Konzepten und zu individuellen Einzellösungen, die dann in verhältnismäßig geringen Stückzahlen produziert werden. Gezwungenermaßen greifen die Hersteller von Lastenrädern in einigen Bereichen auf typische Fahrradbauteile zurück. Diese sind jedoch weder für den tagtäglichen Einsatz unter professionellen Bedingungen, noch hinsichtlich der Belastbarkeit oder den Kilometerleistungen konstruiert und gefertigt.

Beispielsweise trifft dies auf Bremsen und Gabeln zu. Häufiges Wechseln der Bremsbeläge und der -scheiben alle paar hundert bzw. tausend Kilometer ist lediglich nervig und teuer. Überforderte Gabeln, die beim Bremsen abknicken oder gar während der Fahrt unvermittelt brechen, sind gefährlich für den Fahrer und im Falle des Transports von Kindern für die schützenswerteste Personengruppe.

Derzeit gibt es noch keine Norm, die die Mindestanforderungen hinsichtlich der Sicherheit an ein Lastenrad definieren. Aber es tut sich etwas.

Der Normenausschuss des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) arbeitet seit rund zwei Jahren an einem Entwurf, der kurz vor der Veröffentlichung steht. Zudem ist ein Workshop zur Betriebsfestigkeit und Sicherheit von Lastenrädern vom Deutschen Verband für Materialprüfung und -Forschung e.V. (www.dvm-berlin.de) projektiert. Dieser wird Ende November 2018 im Zedler-Institut in Ludwigsburg stattfinden.

Viele am Markt verkaufte Lastenräder gleichen unserer Erfahrung als Fahrrad-Sachverständigen nach eher Prototypen, als ausgereiften Produkten. Lastenräder reifen oft bei den Kunden, Defekte, wiederholte Stillstandzeiten und Frust der privaten Nutzer, aber auch der professionellen Anwender inklusive.

Anforderungsprofil an ein Lastenrad

Der Transport von ein paar Pizzen zum hungrigen Kunden stellt andere Anforderungen an ein Lastenrad, als die Fahrt der eigenen samt ein paar Nachbarkindern zum Kindergarten. Lastenrad und Lastenrad kann daher nicht gleich sein.
Im Lieferbetrieb sind hohe Kilometerleistungen mit teils über 20.000 km pro Jahr anzutreffen. Eine so hohe Laufleistung erreicht das Gros der motorlosen Stadträder in zehn oder 15 Jahren nicht. Dies zeigt, dass ein komplett neuer Konstruktions-, Fertigungs- und Prüfungsansatz gewählt werden muss. Zudem sollte eine Nutzungsdauer bzw. Kilometerleistung definiert werden. Nicht nur für den professionellen Einsatz müssen Wartungsintervalle mit detaillierten Plänen für den Austausch von Bauteilen vorgeschrieben werden.

Durch Elektromotoren wächst der Einsatzbereich gewaltig, denn im Gegensatz zu früher ist welliges oder bergiges Gelände heutzutage kein Hindernis mehr. Bergab steigen dadurch die Anforderungen an Fahrstabilität, Bremsen und die Festigkeit der gesamten Konstruktion gewaltig. Bis dato wurden Lastenräder nahezu ausschließlich im flachen Terrain eingesetzt, d.h. der Erfahrungsschatz der etablierten Hersteller mit Modellen vergangener Jahre ist hinsichtlich der Betriebsfestigkeit zwar ein Startkapital, aber keinesfalls ausreichend.

Universelle Lastenräder für den Einkauf fürs Wochenende oder den Transport von Kindern darf es nicht geben. Zu Recht gibt es reihenweise Kritiker, die ein Verbot des Kindertransports fordern, da sich immer wieder Kinder ohne geeignete Sitze und unangeschnallt auf der Ladefläche tummeln und das Lastenrad aus der Balance oder Fahrspur bringen können. Einmal ganz abgesehen von den negativen Auswirkungen auf das Fahrverhalten des Lastenrades ist so sorgloser Umgang Versicherern ein Dorn im Auge. Daher sind für solche Zwecke des privaten Gebrauchs entweder verschiedene spezifische Lastenradtypen zu bauen und auch so auszuloben, was allerdings deren langjährige Nutzbarkeit deutlich reduziert oder es müssen modulare Fahrgestelle gebaut werden, die dann mit geeigneten Anbauten einsatzgerecht adaptiert werden. Erste Beispiele, wie ein Kinderanhängern nachempfundener Käfig mit Vierpunktgurten, der Kinder schützt und in anderer Konfiguration Lasten, die mit variablen Zurrgurtsystemen solide abgespannt werden können, gibt es am Markt.

Auf in die Zukunft

Werden die zwischenzeitlich im Ingenieursbereich solide aufgestellte Firmen die Aufgabe anpacken oder den Markt den kleinen Ideenschmieden weiterhin überlassen? Werden sie damit ein Vakuum für Fremdanbieter schaffen – ähnlich wie dies bei den Leihradflotten in vielen großen Städten der Fall ist?

Vorstellbar ist auch, dass Logistikunternehmen ins Geschäft einsteigen. Die Deutsche Post hat mit dem vierrädrigen Streetscooter vorgemacht, das so etwas „fachfremd“ gelingen kann, nachdem die Automotive-Firmen es verschlafen haben. Es wird spannend, ob die großen Fahrrad-Hersteller Lastenräder als nächste große Chance für die Fahrrad-Branche erkennen.

Lesen Sie den gesamten Artikel hier.

Foto: Chike

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