Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch die Eurobike Show Daily, Messezeitschrift der jährlich stattfindenden Eurobike Show, gibt uns seit vielen Jahren die Möglichkeit, unsere Sicht auf wichtige Entwicklungen in der Fahrradbranche in ganzseitigen Artikeln auszuführen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

Eurobike Show Daily 2014 - Tag 3+4

Problemfall Tiefeinsteiger Pedelec

Unisex, praktisch, gut – Tiefeinsteiger Rahmen sind bei Pedelecs der absolute Verkaufsschlager. Auch ohne die genauen Zahlen pro Hersteller zu kennen zeigt das Straßenbild, dass diese Pedelec-Gattung die absolute Nr. 1 ist. Das weit nach unten gezogene Zentralrohr ermöglicht einen tiefen Einstieg und öffnet so weiten Zielgruppen den Zugang zum Fahrrad. Erfreulich, denn auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder etwas Schwergewichtige können so wieder dem gesunden Radsport nachgehen und sind wieder mobil. Außerdem setzen sich junge Mütter trotz montiertem Kindersitz sofort bequem in den Sattel anstatt das wacklige Vabanquespiel beim Aufsteigen bei klassischen Rahmengeometrien zu riskieren. So gesehen spricht alles für ein Tiefeinsteigerrad.

Hohes Risiko – Die Physik ist unerbittlich

Eine Vielzahl von Rahmenbrüchen mit teils dramatischen Sturzfolgen und regelmäßig katastrophales Fahrverhalten sind die Kehrseite der Medaille. Kein Rahmenkonzept hat in den letzten Jahren zu mehr Rückrufen geführt als die der Tiefeinsteiger. Sowohl ohne als auch mit Elektromotor. Selbst die Ängste vor Carbon als Rahmenwerkstoff sind im Vergleich zum Risiko eines Tiefeinsteigerrahmens aus dem vermeintlich verlässlichen Aluminium fast schon unbegründet. Produkte die von seriösen Firmen zurück gerufen wurden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Als Sachverständige kennen wir noch viele weitere Problemrahmen, die einfach totgeschwiegen werden.

Das enorme Risikopotenzial solcher Pedelecs hat mehrere Gründe: 

  • Pedelecs heben die Durchschnittsgeschwindigkeit laut Untersuchungen und auch aus der Erfahrung heraus um rund 5 km/h an. Klingt nach nicht viel? Energetisch betrachtet ist ein typisch genutztes 250 Watt Pedelec damit ständig mit gut 75% mehr Bewegungsenergie unterwegs. Stöße, Bodenwellen etc. pp. wirken damit im Vergleich zum üblichen Cityrad mit gewaltig höherem Schädigungsgrad auf ein Pedelec ein.
  • Pedelecnutzer fahren in anspruchsvollerem Gelände, in dem sie vorher nicht unterwegs waren. Anders gesagt: Pedelecs bringen die Fahrer Berge hoch, die mit dem Trekkingrad unüberwindbare Hindernisse waren. Die Crux dabei: Sie müssen auch wieder runter.
  • Pedelecnutzer sitzen nicht sportlich-materialschonend im Sattel, sondern poltern im Sattel durch jede Bodenwelle hindurch und über jeden Bordstein hinweg.
  • Pedelecs sind an sich schon schwerer und dadurch höher belastet. Der Elektromotor verleitet zudem zu mehr Ladung, d.h. die Nutzer nehmen mehr Gepäck oder gar einen Anhänger mit.
  • Tiefeinsteigerrahmen sind nicht redundant. Versagt das eine Rohr, stürzt der Fahrer kopfüber auf die Fahrbahn.
  • Pedelecnutzer fahren mehr. Das zeigen die Auswertungen vieler Hersteller.

Im Ergebnis ist ein Pedelec-Rahmen durch Stöße im Vergleich zum City-/Trekkingrad konstant deutlich höher belastet. Höhere Bremskräfte die zudem häufiger einwirken belasten zudem Rahmen und Gabel. All dies zeigt, dass das aufaddierte Schädigungspotenzial bei Pedelecs sehr deutlich über dem von City- und Trekkingrädern liegt.

Aufrechte Sitzposition und oft hohes Fahrergewicht sowie Zuladung sind für Tiefeinsteiger nicht nur hinsichtlich der Haltbarkeit eine echte Herausforderung. Mit Motor und Akku mutieren typische Tiefeinsteiger zu echten Wackelkandidaten.

Gerade ungeübte und wenig sportliche Fahrer – das ist in den letzten Jahren und auch heute noch die hauptsächliche Kundenschicht – stürzen vermehrt weil sie dem Fahrverhalten nicht gewachsen sind. Dabei ist es nicht zwingend, dass ein flatterndes Pedelec den Fahrer abwirft, wie ein störrisches Pferd. Es häufen sich schwere Stürze weil sich durch Unruhen im Pedelec ängstigende Fahrer panikartig überbremsen oder mit schleifender Bremse die Berge hinab schleichen, bis die Bremse ausfällt und das ungebremste Pedelec außer Kontrolle gerät.

Und es geht doch!

Die gute Nachricht, fahrstabile Tiefeinsteiger Pedelecs, die zudem noch halten sind möglich. Voraussetzung: Konstrukteur, Produktmanager und Prüfinstitut müssen in einem Pedelec mehr sehen als ein Trekking- bzw. Cityrad mit Bosch- Panasonic-oder Shimano-Interface bzw. noch einfacher einem Nabenmotor.

Zugegebenermaßen ist es ein gewisser Aufwand, aber auch Tiefeinsteiger-Pedelecs lassen sich in der Zusammenarbeit von CAD-System und Labor soweit trainieren, bis diese sicher sind. Ein einfaches Rezept, wie ein zusätzliches Gusset oder ein eingeschweißtes Querrohr kann es nicht geben. Die Summe vieler Verbesserungen von der angepassten Rahmengeometrie, der optimierten Rohrdimensionierung, dem ausgeklügelten Schweißverfahren mit thermischer Nachbehandlung, der soliden Gepäckträgeranbindung und der zweckmäßigen Leitungs- und Kabelführung macht das gute Produkt. Das aktive Fahrverhalten lässt sich auf ein solides Niveau bringen, so dass die Kunden flatterfrei fahren und sich sicher fühlen können. Dadurch werden schon viele Unfallmechanismen ausgeschlossen. Die Haltbarkeit kann zudem einen Stand erreichen, wie man es von Mountainbikes für den harten Einsatz kennt. Nur dann ist auch ein Tiefeinsteiger-Pedelec den hohen Belastungen durch Motor, Zulassung und hohe Fahrergewichte dauerhaft gewachsen.

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Autor: Dirk Zedler

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