Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch die Eurobike Show Daily, Messezeitschrift der jährlich stattfindenden Eurobike Show, gibt uns seit vielen Jahren die Möglichkeit, unsere Sicht auf wichtige Entwicklungen in der Fahrradbranche in ganzseitigen Artikeln auszuführen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

tv14 15/20 / tv hören und sehen 28/20 / TV Movie Ausgabe 15

Wie gefährlich sind E-Bikes wirklich, Herr Zedler?

Elektrofahrräder boomen wie noch nie - doch ihre Unfallstatistik alarmiert die Experten. Was muss ich beachten? Wir fragten Dirk Zedler, Diplom-Ingenieur und vereidigter Fahrrad-Sachverständiger in Ludwigsburg

Jedes dritte verkaufte Fahrrad in Deutschland ist mittlerweile ein Pedelec, Herr Zedler...
Es ist der totale Wahnsinn! Die Nachfrage ist geradezu explodiert, erst recht in der Corona-Krise, wo es ja nichts Vernünftigeres gibt, als aufs Rad umzusteigen, das sagt lhnen auch jeder Virologe. Die Produktion kommt, auch wegen der Schwierigkeiten in China, überhaupt nicht hinterher, die arbeiten jetzt für den Markt im Jahr 2021. Wenn Sie sich in diesem verrückten Jahr ein Rad kaufen wollen, bekommen Sie oft nur noch „Rudis Reste-Rampe“

Die Schattenseiten des Booms: Es passieren mehr tödliche Unfälle mit Elektrorädern als mit herkömmlichen. Woran liegt das?
Ja, das ist richtig, aber das liegt nicht nur an der Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometern, sondern auch an der Stärke der Motoren. Die haben teilweise Drehmomente, dass sie schneller beschleunigen können als ein Porsche! Manchmal kommt es zum Sturz, weil der Motor nachläuft oder weil das Pedelec beim Berühren der Pedale im Stand einen Satz nach vorne macht. Das passiert besonders bei sehr preiswerten Pedelecs.

Was heißt das für die E-Bike-Käufer?
Diese gewaltigen Antriebsleistungen braucht man einfach nicht. Viele Kunden wollen einen möglichst starken Motor - ich rate davon ab. Gerade älteren Menschen, bei denen die Pedelecs ja besonders beliebt sind und die teilweise körperlich nicht mehr ganz so fit sind. Das medizinische Verletzungsrisiko steigt eben mit dem Alter. Als Gutachter bei Unfall-Gerichtsverhandlungen könnte ich manchmal die Hände überm Kopf zusammenschlagen, wenn ich sehe, dass da Leute mit Motoren unterwegs sind, die eigentlich für Hardcore-E-Mountainbikes entwickelt worden sind, mit denen man sinngemäß die Eiger-Nordwand senkrecht hochfahren könnte ... Das ist wie mit den dicken SUVs in unseren Städten: Welcher Mensch, der sechzig Kilo wiegt, braucht drei Tonnen Stahl und 350 PS unterm Hintern, um vier Brötchen vom Bäcker zu holen?

lst das Bremsen mit dem E-Bike denn so schwierig?
Tatsächlich können das sehr viele Radfahrer nicht. Vorder- und Hinterradbremse bedienen, Po nach hinten, vorne das Körpergewicht abstützen, sicher stehen - und das blitzschnell, aber nicht in Panik. Dieser komplexe Bewegungsablauf bedarf der Übung. Leider üben nur wenige mit ihrem Rad eine Vollbremsung.

Mal ehrlich: Was muss ich denn ausgeben für ein wirklich gutes und sicheres E-Bike?
Mit 2000 Euro geht das los, darunter bekommt man nichts Gutes. Aber für 2500 Euro gibt es ein wirklich tolles Fahrrad, das kaum Wünsche offenlässt. Mit einem super geregelten Motor, der unterwegs flexibel den jeweiligen Fahrerwunsch erkennt. Die Preise sind natürlich nach oben offen, das ist wie bei einer Schweizer Uhr: Sie bekommen eine für 5000 Euro und eine für 200000 Euro. Beide laufen gleich genau. Es hat sich da so ein seltsamer Reichweiten-Fetischismus eingebürgert, der viel Geld kostet, den Akku schwerer macht, aber meist kompletter Unsinn ist.

Das müssen Sie erklären.
Man meint, man müsse mit seinem Akku unheimlich viel Reichweite haben. Diese Angst kommt psychologisch aus der Autobranche, wo man nicht irgendwo liegen bleiben möchte. Klar, wenn lhr Elektro-Auto tatsächlich nicht mehr fährt. haben Sie unterwegs verloren, dann müssen Sie den ADAC mit dem Notstromaggregat rufen. Aber das ist mit dem Fahrrad doch völliger Quatsch. Dann fahren Sie eben die letzten Kilometer mit Muskelkraft weiter. Und, das ist ja das Schöne: Den Motor können Sie jederzeit ausstellen. Also: Jeder sollte sich überlegen, wie viel er denn wirklich am Stück fährt mit seinem Fahrrad. Wer radelt schon mehr als hundert Kilometer auf einmal? Und: Das Ladegerät können Sie ja mitnehmen und überall auf diesem Planeten aufladen, wo es eine Steckdose gibt.

Und unterwegs?
Fragen Sie doch einfach während der Brotzeit im Biergarten den Wirt nach einer Lademöglichkeit - in einer Stunde ist der Akku schon zur Hälfte wieder geladen. Nach einer ausgedehnten Mittagspause ist er wieder voll. Diese Angst vor dem Entladen kann ich überhaupt nicht verstehen.

lhr wichtigster Tipp als Sachverständiger?
Kaufen Sie lhr Elektrofahrrad im Fachhandel. Im Versand ist es manchmal billiger, aber diese Geräte sind ein hochwertiges technisches Produkt, das Service braucht- und da wird einem vor Ort einfach unkomplizierter geholfen. Als Sachverständiger bei Gericht habe ich die Erfahrung gemacht, das oft schlecht gewartete Räder aus dem Versandhandel beteiligt sind.

Könnten Sie uns ein Modell empfehlen?
Ein beispielhaft gutes Pedelec mit anständigem Preis-Leistungs-Verhältnis ist das E-Circle von Stevens. Alu, Federgabel, hydraulische Scheibenbremsen. Und eine Rücktrittbremse, wie viele sie von früher gewohnt waren. (UVP: 2499 €)

Das Interview führte: Thorsten Ehrenberg

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