Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

TOUR 12/2018

"Ein Ausfall in der Norm ist inakzeptabel"

Dipl.-Ing. Dirk Zedler ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Fahrräder. Er betreibt in Ludwigsburg ein Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit, wo wir den Sattelstützentest durchgeführt haben

TOUR Kommen die im Test festgestellten Schäden auch in der Realität vor, und gibt es Tipps für die Wahl einer Sattelstütze?

ZEDLER Die im Test aufgetretenen Defekte kennen wir als Sachverständige von Gutachten für Gerichte und Versicherer, sie treten so auch im Betrieb auf. Dennoch haben uns die vielen Ausfälle sehr hochpreisiger Produkte überrascht, denn wir haben strikt die weltweit anerkannten Mindestanforderungen der ISO-Norm geprüft - und im Anschluss daran Kriterien, mit denen wir seit vielen Jahren auch bei deutlich günstigeren Sattelstützen erfolgreich arbeiten. Ein Ausfall in der Norm oder kurz danach ist schlicht inakzeptabel. Die superleichte MCFK-Stütze, die komfortable Specialized und die sehr lange Syntace haben im zweiten Durchlauf, dem TOUR-Test mit höheren Lasten, deutlich mehr durchlebt, selbst nach Vorbelas­tung durch wiederholtes Anziehen und zusätz­lich zu hohe aufgebrachte Drehmomente in beiden Klemmbereichen. Diese Stützen haben deutliche Sicherheitsreserven, selbst für athletische und schwere Fahrer.

Das heißt, bei preiswerteren Stützen oder solchen aus Alu treten Defekte nicht in der Häufigkeit auf?

Brüche an der Klemmung gibt es bei Alu so gut wie nie, wenn, dann wegen Korrosion. Brüche an Schrauben bei Billigstützen dagegen schon; Näheres kann da nur ein Test zeigen.

Wie kann ich einen drohenden Defekt rechtzeitig erkennen?

Die Defekte im Klemmbereich des Rahmens resultieren bei einigen Modellen sicher aus der Länge der Stütze, bei langem Auszug entstehen enorme Spannungen und Bewegungen. Bei kürzerem dürfte das weniger kritisch sein. Erfreulich ist, dass keine Schrauben gebrochen sind, also die Köpfe alle intelligent konstruiert sind, und keine Stütze regelrecht explodiert ist, wie das in einem Test vor einigen Jahren noch der Fall war. Manche Stützen haben durch Risse Steifigkeit verloren und wurden weich, was unsere Prüfsysteme sofort erkennen. So sensibel sind Radsportler nicht, weshalb regelmäßige Sichtkontrolle der Sattelstütze in hellem Licht Pflicht ist, besonders, wenn sich etwas komisch anfühlt oder knackt. Verfärbungen, Verformungen und leichte Risse sind Warnzeichen. Die Stütze sollte ausgetauscht werden.

Was sollte man beim Umgang mit Carbonstützen allgemein beachten?

Ohne Carbon-Montagepaste und Drehmomentschlüssel sollte niemand daran arbeiten. Wichtig ist auch, dass man sich an die Montageanleitungen und aufgedruckten Markierungen hält. Eine Sattelstütze muss aber immer auch im Kontext der weiteren Bauteile betrachtet werden. Die Klemmschlitze einiger Rahmen sind scharfkantig und können zu Schäden führen. Schon eine gedrehte Klemme, wie sie manche Hersteller vorschreiben, kann das Problem entschärfen. Auch am Stützenkopf lauern Gefahren: Brüche von kurzen Sattelklemmen zeigen, dass dort hohe Kräfte wirken. Diese lasten auch auf den Sattelgestellen - insbesondere solche aus Titanrohr oder Carbon können brechen. Je länger die Halbschalen im unteren Bereich sind, desto schonender verteilen sich die Kräfte auf die Sattelgestelle.

INTERVIEW Jens Klötzer