Eurobike Show Daily 2017 - Tag 2

Testen nach IS0 4210 - Reicht das?

Seit 2015 ist die ISO 4210 als Teststandard in Kraft. Eine wirklich gute Sache für die gesamte Fahrradbranche. Nach ISO zu testen ergibt jedoch noch kein sicheres Fahrrad. Dirk Zedler Diplom-Ingenieur und öbuv Sachverständige erklärt, warum das so ist und was Hersteller per Gesetz tun müssen und zum Wohle Ihrer Kunden tun sollten.

Gabel-Prüfung beim Zedler-Institut

Über 150 Mitgliedstaaten, darunter die USA, China, Japan und Australien sowie alle EU-Staaten gehören der International Organisation of Standardisation an und heben damit die dort erarbeitete Fahrrad-Norm auf ein einheitliches Niveau. Das war nicht immer so, denn die Vorgängernorm 4210 war absolut veraltet, weshalb mehrheitlich die EN Normen 14764, 14781 etc. angewendet wurden. Diese wiederum fußten auf der DIN 79100 aus den 1990ern, der wohl ersten umfangreichen Norm für Fahrräder.

Wichtig zu wissen, die ISO wurde in sehr vielen Ländern zur Landesnorm erhoben und lautet daher z.B. in der Schweiz SN EN 4210, in Frankreich AFNOR EN 4210, in Großbritannien BS EN 4210 und in Deutschland DIN EN 4210. Abgesehen von möglichen Anhängen oder Zusätzen handelt es sich jedoch immer um ein und dieselbe Norm. Das heißt ein Test nach ISO 4210 ist in den ISO-Ländern überall anerkannt.

Grundsätzlich basiert die Norm hinsichtlich der Betriebfestigkeit eines Bauteils auf den drei Säulen Ermüdung (aufgrund immer wiederkehrender Lasten), Überlast und Stoß (als seltenere Ereignisse). Dieses Prüfprinzip ist schon sehr weitreichend und ermöglicht, mit relativ einfachen Prüfaufbauten ein gewisses Maß an Betriebssicherheit herauszuprüfen. Fakt ist, wenn alle Fahrräder und Bauteile nach ISO geprüft würden, gäbe es weniger Bruch und damit auch weniger Unfälle.

Die ISO ist jedoch nicht konsequent, denn der sinnvolle Dreiklang der Prüfungen wird in der ISO, jedoch nicht an allen Bauteilen konsequent umgesetzt. Während beispielsweise Pedale eine Stoßprüfung erhalten, wird dies bei Kurbeln nicht angesetzt. Dabei dürfte es unstrittig sein, dass bei einem verunglückten Sprung oder Sturz die hohe Last über die Pedale in die Kurbeln und Innenlager eingeleitet wird.

Weiterhin gibt es unterschiedlich hohe Lasten bei direkt miteinander verbundenen Bauteilen. Dies trifft auch auf Rahmen und Gabel zu. Während eine Carbongabel beim Schlagtest aus einer Fallhöhe von 640 mm des normierten Fallgewichtes beaufschlagt wird, sind beim Rennradrahmen nur 212 mm gefordert.

Die ISO ist auch nicht vollständig. Während die Belastung durch die Scheibenbremsen bei Gabeln Pflichtprüfung ist, fehlt diese Prüfung bei Rahmen. Auch der Gabelschaft bei Carbongabeln, eines der kritischen Bauteile bei einem Rennrad, wird nicht geprüft. Gerade wegen Brüchen von Gabelschäften aus Carbon mussten in der Vergangenheit und auch aktuell viele renommierte Hersteller Gabeln zurückrufen

ISO = Mindeststandard

Fakt ist, Fahrräder nach ISO zu testen, macht absolut Sinn. Nach ISO zu testen ergibt (noch) kein sicheres Fahrrad. Aus diesem Grund haben einige Prüfinstitute und auch Hersteller eigene Haus- bzw. Herstellerstandards entwickelt.
Bei guten Prüflaboren unterscheiden sich die Prüfkriterien zumindest nach Einsatzzweck, nach zulässigem Gesamtgewicht und ob das Fahrrad ein E-Bike ist oder nicht.

Auf dem Weg zu einem Produkt, das wenige Ausfälle im Feld zeigen wird, müssen Hersteller einige Faktoren berücksichtigen. Einer davon ist, sinnvolle eigene Standards zu kreieren oder sich ein Prüflabor als Partner zu suchen, das folgenden Fragenkatalog erfüllt:

- Werden die einzelnen Prüfungen an einem Prüfexemplar durchgeprüft, was zu bevorzugen ist, oder kommen pro Lastfall neue Prüflinge zum Einsatz (was die Norm absurderweise erlaubt).
- Füllt der Prüfstandard die ISO-Norm mit fehlenden Prüfarten (Scheibenbremse, Gabelschaftprüfung, Hinterbauprüfung bei vollgefederten Fahrwerken, Hinterbauschlagtests bei MTBs generell, etc.) auf?
- Gibt es unterschiedliche Prüflasten in Abhängigkeit von den Randbedingungen, z.B. dem zulässigen Gesamtgewicht, dem generellen Einsatzzweck, aber auch Differenzierungen im Bereich des Mountainbikes (CrossCountry, All Mountain, Enduro oder Freeride bzw. Downhill) etc.
- Werden die Lastarten und deren -höhen oberhalb der Norm durchmischt und daher realitätsnaher eingeleitet?
- Gibt es spezielle werkstoffspezifische Prüfungen?

(…)

Lesen Sie den gesamten Artikel hier.

Autor: Dirk Zedler

Zurück