All about bicycles, electric-assisted bikes, technology and safety in the press

In our daily work as we deal with bicycle safety, technology and user manuals we come across lots of safety risks. The most frequent ones are published in articles of the leading German special-interest magazines TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 and E-Bike – Das Pedelec-Magazin to make this information important for the sector accessible to a wider public.

For many years now the Eurobike Show Daily accompanying the annual international Eurobike Show has given us the opportunity to publish our perspective on major developments in the cycle industry in full-page articles.

We also speak regularly in independent lectures about all topics relating to bicycle technology and bicycle market. In addition, we are regularly cited by further special-interest magazines or trade journals as well as more and more by radio and television and in their media reports, which shows us that we are completely right with our information. The section NEWS informs you about the latest news from our specialist fields. The reports and publications of this section are listed chronologically or according to topics of interest.

RadMarkt 03/2013

Für eine Fehlerkultur

Sonderteil Elektrorad – Rückrufe korrekt gestalten

Auf dem DVM-Workshop "Betriebsfestigkeit von Elektrofahrrädern" am 8. November 2012 hielt der Fahrradsachverständige Dirk Zedler einen Vortrag über die korrekte Umsetzung von Rückrufen und wann diese erforderlich werden. Auch wenn seine Fallbeispiele überwiegend aus dem sportiven Bereich stammen und Karbon dabei der dominierende Werkstoff ist, haben seine Ausführungen Gültigkeit für alle Produktgruppen und damit auch für Elektroräder. Sein Credo: Wer Rückrufe durchführt, hat keine Häme verdient.

Der Rückruf eines fehlerhaften Produkts durch den Hersteller oder Importeur setzt zunächst voraus, dass dieser von dem Fehler Kenntnis erlangt. (...)

Hersteller müssen Vorbereitungen treffen, um die Sicherheit auch nach dem lnverkehrbringen des Produkts sicherzustellen. "Die Regeln sind beinhart", warnt Dirk Zedler. Das Produktsicherheitsgesetz nimmt den Erzeuger zehn Jahre ab Auslieferung des Produkts in die Haftung. Die Entscheider in den Herstellerfirmen müssen sogar mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen, wenn ihnen nachgewiesen wird, dass sie wider besseres Wissen nichts unternommen haben, um ein Produkt mit einem gefährlichen Fehler aus dem Verkehr zu ziehen. Es geht dabei um Gefahren für die körperliche Unversehrtheit des Benutzers und anderer Verkehrsteilnehmer, nicht um schlichte Mängel.

Der Hersteller kann einen freiwilligen Rückruf starten, also aus eigenem Antrieb aufgrund seiner Erkenntnisse. Daneben gibt es den von Behörden angeordneten Rückruf. Die zuständigen Behörden reagieren damit auf plausible Hinweise von Verbrauchern oder Händlern. Der angeordnete Rückruf ist für den Hersteller besonders unangenehm, weil dann naheliegt, dass er selbst den Rückruf schuldhaftversäumt und die Gefahren für die Nutzer in Kauf genommen hat. Dann sei es nur noch ein kurzer Weg bis zur Gerichtsverhandlung und der Betriebsschließung, sagt Zedler.

Zedler nannte einige Rückrufe, die in Deutschland in den letzten Jahren bekannt wurden: (...)

Rückruf ohne Imageschaden
Der Referent findet es unangemessen, wenn Firmen Spott und Häme ausgesetzt sind, sobald sie Produkte zurückrufen. (...)

Zedler hat in den letzten zehn Jahren 149 Rückrufe registriert. Bremsen, Felgen und Reifen waren eher selten die Ursache; meistens ging es um Rahmen, Gabeln, Lenker und Vorbauten. In den vergangenen Jahren beschäftigte ihn als Gutachter vermehrt die Sattel stütze. Zedler staunt, dass ein tragendes Teil zumeist nur an einer Schraube "hängt" Eine Zwei-Schrauben-Lösung würde für die nötige Redundanz sorgen. Trotzdem komme es zu nur sehr wenigen Rückrufen für dieses Teil. in der Kfz-Branche gibt es fünfmal so viele Rückrufe, hat Zedler durch Auswertung der ADAC-Motorwelt ermittelt. »Im Automobilsektor ist der Rückruf nichts Besonderes, sondern normales Business«, stellte Zedler fest. Dort werden Rückrufe sogar für die Imagepflege eingesetzt, denn grundsätzlich können die Autohersteller über die Kundendatenbanken des Autohandels alle Besitzer anschreiben, rufen aber trotzdem öffentlich zur Rückführung der betroffenen Chargen auf. (...)

Ablauf einer Rückrufaktion
Einen Rückruf durchzuführen, ist durchaus komplex und will vorbereitet sein. (...)

Datenbank macht klug
Um überhaupt einen Rückruf durchführen zu können, muss der Hersteller seine internen Vorkehrungen treffen, nämlich die Nachverfolgbarkeit seiner Produkte sicherstellen. (...)

Haftpflicht mit Bedingungen
Zur Fehlervermeidung und -behebung müssen entsprechende Vorkehrungen auch die Lieferkette betreffen. In Rahmenverträgen mit Vorlieferanten sollte man regeln, wer entsprechende Fälle unter sucht und Stellungnahmen abgibt, ab welcher Gefahrenquote der Rückruf einzuleiten ist und wer entscheidet, ob ein Rückruf eingeleitet wird. (...)

Leitsätze des Rückrufs:

  • Ein Rückruf ist immer dann unabdingbar, wenn ein Fehler im Produkt eine Unfallgefahr auslöst.
  • Ein freiwilliger Rückruf ist immer besser als einer, den Behörden anordnen.
  • Häme für Rückrufe ist fehl am Platz. Eher können unterlassene Rückrufe Anlass zu Kritik sein.
  • Am häufigsten sind Rahmen, Gabeln, Lenker und Vorbauten von Rückrufen betroffen. Sattelstützen werden seltener zurückgerufen, als ihr Gefahrenpotenzial es nahelegt
  • Reklamationen von Händlern müssen systematisch gesammelt und ausgewertet werden, um Schadenshäufigkeiten zu ermitteln.
  • Beim Rückruf muss das auszutauschende Bauteil in Wort und Bild beschrieben und dann entschieden werden, ob es eingeschickt oder vernichtet werden soll.
  • Eine Betriebshaftpflichtversicherung deckt nicht automatisch jeden Schaden ab. Das kann auch von den Maßnahmen abhängen, die der Hersteller eingeleitet hat.

Autor: Michael Bollschweiler

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