Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch die Eurobike Show Daily, Messezeitschrift der jährlich stattfindenden Eurobike Show, gibt uns seit vielen Jahren die Möglichkeit, unsere Sicht auf wichtige Entwicklungen in der Fahrradbranche in ganzseitigen Artikeln auszuführen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

RadMarkt 06/2000

Schlecht bedient

Bedienungsanleitungen: Über Bedienungsanleitungen dürfte es eigentlich keine zwei Meinungen geben - ansprechende und klare Bedienungsanleitungen sind gesetzlich vorgeschrieben und nach dem Kauf oft der einzige Draht zum Kunden. Wie sieht die Praxis aus?

Die Ausgangslage ist klar und sei nochmal in Erinnerung gerufen: Nach § 4.2 des Produktsicherheitsgesetzes hat "der Hersteller im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit ... dem Verbraucher beim erstmaligen Inverkehrbringen die erforderlichen Angaben zu machen, damit dieser eine Gefahr, die von dem Produkt während der üblichen oder zu erwartenden Gebrauchsdauer ausgeht, beurteilen und sich dagegen schützen kann". Ein Fahrradhändler, der ein Neurad montiert, ist im Sinne dieses Gesetzes ein "Hersteller", weil er sicherheitsrelevante Teile - wie zum Beispiel Bremsen - beeinflusst. Der Händler ist der Letzte in der Kette vom Hersteller zum Verbraucher und den Letzten beissen bekanntlich die Hunde.

Wie sieht es nun in der Branche aus? Eine komplette Übersicht ist an dieser Stelle nicht zu leisten. Exemplarisch haben wir vielmehr einige Anleitungen herausgegriffen, an denen sich Gelungenes und Nicht-Gelungenes demonstrieren lässt.

Fünf Anleitungen kamen auf den Prüfstand. Die Auswahl ist willkürlich, repräsentiert aber - mit aller gebotenen Vorsicht vor Verallgemeinerungen - unterschiedliche Marktsegmente.

Eine gute Bedienungsanleitung

  • macht auch Spaß. Für eine gute Anleitung gibt es nämlich nur ein Erfolgskriterium: Der Verbraucher hat sie begriffen. Vor dem Verstehen kommt das Lesen und dazu muss der Leser animiert werden. Jede noch so sachlich korrekte Bedienungsanleitung hat ihren Zweck verfehlt, wenn der Leser nur unter Strafandrohung zum Weiterlesen genötigt werden kann.
  • bedient sich der Sprache des mutmaßlichen Lesers. Ein Autor, der den Anleitungsnutzer mit Fachchinesisch tyrannisiert, ähnelt einem brusttrommelnden Gorilla: reines Imponiergehabe.
  • ist verständlich in Wort und Bild. Kurze Sätze, richtige Reihenfolge, klare Bilder: Damit ist schon viel gewonnen.
    ist gut gegliedert. Von vorne bis hinten liest der Verbraucher die Anleitung - wenn überhaupt - nur einmal. Danach will er die gesuchten Informationen schnell wiederfinden. Alles andere nervt.

Es gibt Testprogramme mit mehr als 150 Einzelabfragen über die Qualität von Texten und Bildern. In RadMarkt 11/99 haben wir ein Kurzprogramm vorgestellt mit 33 Testfragen, das eine qualifizierte Aussage über die Qualität einer Bedienungsanleitung erlaubt. Diesen Kurztest wenden wir hier an.

Die perfekte Bedienungsanleitung war nicht dabei. Die gravierendsten Fehlgriffe:

  • Ein freudloses Layout. Layouter sind gut bezahlte Spezialisten. Das hat einen Grund. Es ist nicht einzusehen, dass Anleitungen von Markenrädern am heimischen PC zusammengebastelt werden.
  • Zu lange Sätze. Diese Unart ist nicht auszurotten. Jeder Autor sollte sich ein bekanntes Boulevard-Blatt in Millionenauflage zum Vorbild nehmen. Im Anweisungsteil sollte kein Satz mehr als 14 Wörter haben.
  • Schlechte Bilder. Geht es darum, technische Details zu erklären, sind Zeichnungen grundsätzlich besser als Fotos. Riese und Müller machen es in ihrer Anleitung vor: Schlechte Fotos verderben einen ansonsten guten Text.

Das Fazit fällt leicht: Selbst bei den Anleitungen, die positiv auffallen, gibt es noch eine Menge zu tun. Allen Anleitungen gemeinsam fehlt:

ein Glossar, das zusammenfassend Fachausdrücke erklärt;
ein Stichwörterverzeichnis;
eine Kurzanleitung, die Wartungs- und Einstellarbeiten in Kurzform in Erinnerung ruft;
eine Zusammenfassung der wichtigsten Sicherheitshinweise.

Bedienungsanleitungen für Fahrräder fallen damit hinter den Standard der in der Industrie üblichen technischen Dokumentationen zurück. Keine der betrachteten Anleitungen erreichte mehr als zwei Drittel der zu vergebenden Punkte.

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Riese und Müller

Zwar gibt es vom Federspezialisten aus Südhessen eine gute Bedienungsanleitung, aber die Fotos halten dieses Niveau nicht immer. So wird diese Bedienungsanleitung knapp von BMW geschlagen.

Die Visualisierung der gegebenen Informationen ist im Riese und Müller-Produkt kritikwürdig. R+M verwendet größtenteils Fotos, die besser ausgeleuchtet sein könnten. Manchmal ist der Bildausschnitt zu groß, um die Details zu erkennen, um die es geht.

Sehr gut ist hingegen der Textteil, wenn man von gelegentlich zu langen Sätzen absieht. Das Layout ist ansprechend, gut gefallen auch die Kästchen mit Gefahrenhinweisen und Tipps. Klasse der Service- und Wartungsplan und die Tabelle mit den Anzugsdrehmomenten für Verschraubungen.

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Stevens

Auch bei Stevens könnten die Fotos größer sein. Da das Format bei Stevens noch kleiner ist, sind die verwendeten Fotos, die eigentlich zur Aufhellung eines Sachverhaltes dienen sollen, echte Suchbilder.

Ansonsten: Klasse! Die Anleitung ist erst seit ein paar Wochen auf dem Markt und sicher eine der Besten zur Zeit. Das Layout macht Leselaune. Wenn jetzt noch ein Stichwortverzeichnis und ein Glossar hinzukäme, wäre die Sache fast perfekt.


Jörn Iken

[Anmerkung: Im Test waren auch noch Anleitungen der Firmen "Giant", "BMW" und "VSF-Fahrradmanufaktur". Bei den Anleitungen der Firmen "Riese und Müller" und "Stevens" lieferte das Ingenieurbüro Zedler jeweils die Texte.]

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