Medienberichte und Publikationen rund um Fahrräder, Pedelecs, Technik und Sicherheit

Die häufigsten Sicherheitsrisiken, die uns in der täglichen Arbeit rund um Fahrrad-Sicherheit, -Technik und -Bedienungsanleitungen auffallen, publizieren wir auch in Artikeln in den führenden Fachmagazinen TOUR – Europas Rennrad-Magazin Nr. 1, BIKE – Das Mountainbike Magazin Europas Nr. 1 und E-Bike – Das Pedelec-Magazin, um diese für die Branche wichtigen Informationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch die Eurobike Show Daily, Messezeitschrift der jährlich stattfindenden Eurobike Show, gibt uns seit vielen Jahren die Möglichkeit, unsere Sicht auf wichtige Entwicklungen in der Fahrradbranche in ganzseitigen Artikeln auszuführen.

Darüber hinaus sprechen wir regelmäßig in unabhängigen Fachvorträgen über alle Bereiche der Fahrradtechnik und des Fahrradmarktes. Auch weitere Fach- bzw. Branchenzeitschriften sowie immer häufiger Radio und Fernsehen zitieren uns in ihren Medienberichten und zeigen uns, dass wir mit unseren Hinweisen genau richtig liegen. In der Rubrik AKTUELL erfahren Sie laufend alle Neuigkeiten aus unseren Fachbereichen. Diese Berichte und Publikationen sortieren wir für Sie chronologisch bzw. nach Interessensgebieten.

Süddeutsche Zeitung, 19.05.2006

Lenker- und Gabelbruch

Fahrradteile aus Carbon sind oft von mangelhafter Qualität und werden falsch montiert. - Wenn Dirk Zedler Gäste staunen lassen will, hebt er das Prunkstück seiner Fahrradsammlung mit zwei Fingern an. Beeindruckend daran sind nicht Zedlers Kräfte, sondern das Gewicht des Rades: Es beträgt weniger als sechs Kilogramm. "An einem Rennen dürfen Sie damit nicht teilnehmen", lächelt Zedler, "dafür ist es zu leicht." Die Untergrenze des Gewichts im Radrennsport liegt bei 6,8 Kilogramm. "Um die einzuhalten, können Sie Zubehör montieren, zum Beispiel zusätzliche Trinkflaschen."


Der Werkstoff, der Radrennfahrern solche Freiheiten verschafft, heißt Carbon. "Ein fantastisches Material", schwärmt der Experte. Die extrem reißfesten Fasern formen gemeinsam mit Harz und Härter stabile Bauteile, die viel leichter sind als Aluminium, dem bisherigen Favoriten im Fahrradleichtbau. Bisher war das Material Profis oder Besserverdienern vorbehalten - Zedlers Edelrenner kostet circa 13 000 Euro. Doch inzwischen kommen auch billigere Ersatzteile für Hobbyradler auf den Markt, deren Qualität der Käufer kaum beurteilen kann und deren Einbau kritisch ist. Wer ein schlechtes Teil erwirbt oder bei der Montage einen Fehler macht, dem brechen womöglich in voller Fahrt Lenker, Sattelstütze oder Gabel.

Die Kohlefasermatten seien teuer und ihre Verarbeitung gehöre in die Hände von Profis, sagt der öffentlich bestellte Sachverständige. Er hält eine Kohlefaser in die Luft und zieht daran: "Sie sind nur in Zugrichtung fest und je nachdem, wie ich sie im Bauteil ausrichte, erhalte ich ein gutes Teil oder ein schlechtes. " Der Maschinenbauingenieur warnt vor minderwertigen Teilen: "Wenn Carbon billig angeboten wird, heißt das, dass nicht wirklich sinnvoll konstruiert wurde."

Äußerlich sei der Unterschied kaum erkennbar: "Carbonteile erhalten als letzte Lage immer eine Deckschicht, die keine Rückschlüsse auf das Innenleben zulässt", so Zedler. "Das sieht immer perfekt aus, doch innerlich kann es eine Katastrophe sein." Was von solchen Bauteilen übrig bleibt, landet oft in Zedlers Werkstatt in Ludwigsburg. In einem Regal stapelt er gebrochene Fahrradteile, darunter auffällig viele Carbongabeln.

Solche Versagensfälle dürften sich künftig häufen. Immer öfter steckt Carbon in günstigen Rädern, hat der Fahrradsachverständige Rainer Mai aus Frankfurt beobachtet. Neben der mangelnden Qualität vieler Einzelteile kritisiert er deren schlechte Abstimmung untereinander: "Die Fahrradindustrie schenkt der Kompatibilität der Teile viel weniger Aufmerksamkeit als die Autoindustrie." Dirk Zedler bestätigt, dass nicht mehr nur Profirennräder, sondern inzwischen auch Renn-, Trekking- oder gar Mountainbikes der mittleren Preiskategorie mit Carbon ausgestattet werden. Doch was im Hochleistungsbereich gerechtfertigt ist, taugt nicht unbedingt für den Alltag, sagt der Ingenieur: "Ein großer Nachteil von Carbon ist, dass ich nach einem Sturz nicht beurteilen kann, wie es dem Fahrrad geht."

Während Profis nach Stürzen meist einfach auf neue Räder steigen, fahren Alltagsfahrer das Zweirad nach einer kurzen Sichtprüfung weiter. "Das Risiko ist dann groß, dass man mit einem vorgeschädigten Bauteil weiterfährt", sagt Zedler. Dafür reicht manchmal schon ein scheinbar harmloser Zwischenfall: "Ich stelle mein Fahrrad ab, und irgendjemand stößt es um, da kann sofort ein Schaden entstehen", so Zedler. Für den Alltagsgebrauch sei Carbon ungeeignet, für den Einsatz im Gelände ohnehin.

Dies gilt offenbar erst recht, wenn ein Fahrrad mit Carbonteilen nachgerüstet wird. Schließlich gibt es kaum eine Fahrradkomponente, die sich nicht durch ein leichteres Teil aus dem Kohlefasserverbund ersetzen ließe. Ein Discounter preist dies unter dem Stichwort "Carbon Tuning" an. Rainer Mai rät ab: "Bei Aluminium führt eine zu fest angezogene Klemmstelle, etwa an Bremshebel oder Sattelstütze, nur zur Verformung. Bei Carbon reicht eine scharfe Kante, schon hat man einen unsichtbaren Riss." Eine sorgfältige Montage sie lebenswichtig und sollte Fachleuten überlassen werden. Die verfügen über das nötige Wissen und Werkzeug, etwa einen Drehmomentschlüssel und Montagepaste.

Fehler bei der Montage können schlimme Folgen auf der Straße haben, bestätigt Dirk Zedler: "Dann können Lenker, Gabelschäfte oder Sattelstützen abbrechen, auch bei guten Bauteilen." Carbon sollte häufig auf Macken kontrolliert werden, empfiehlt der Hersteller Trek aus den USA, wo Schadensersatzprozesse für Firmen oft teuer enden: "Beschädigte Carbonfaser", heißt es auf der Firmen-Webseite, "kann plötzlich versagen und so zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen."

Das tückische an Carbonbrüchen sei, dass sie meist plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten, sagt Zedler. Er demonstriert das in der Werkstatt: Dort spannt er einen Rennlenker aus Carbon in einen seiner Prüfstände. Die Kraft, mit der Zedler das Bauteil traktiert, ist eher gering: eine seitliche Zugbelastung mit 80 Kilogramm Gewicht. Ein Rennfahrer im Wiegetritt könne mit mehr Kraft am Lenker ziehen, sagt Zedler. "Dabei würde sich ein Aluminiumlenker gerade mal leicht verbiegen, dann tauscht man ihn nach dem Rennen aus." Das teure Carbonteil hingegen bricht plötzlich spröde und ohne Vorwarnung ab.

Autor: Güven Purtul

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